Rund um die Jagd

Zäune trennen unsere Welt

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Zäune durchziehen die Berge Schottlands wie die unserer Vorgärten. Sichtbare und unsichtbare Zäune halten unser Wild in Gebieten gefangen, in denen es nicht zwangsläufig heimisch ist und anderes Wild wird in Deutschland ausgerottet, weil es angeblich nicht heimisch ist. Wir wollten die Gründe wissen, warum jemand sein Wild einzäunt und sind dorthin geflogen, wo es teilweise sogar verpflichtend ist, Wild im Gatter zu halten: nach Südafrika.

Immer wieder wird von Jägern, nicht selten von denen, die noch nie dort waren, berichtet, wie furchtbar sie es fänden, in Gattern zu jagen, umgeben von wilddichten Zäunen – das sei doch keine echte Jagd, wird häufig kolportiert. Zugegebenermaßen ist das Bild – denn ich kannte ja auch nur die Geschichten vom Jagen im „Zoo“ – für mich ebenfalls immer eine Horrorvorstellung gewesen. Und gerade deswegen entschloss ich mich, mir das mit eigenen Augen anzuschauen. Jagen wollte ich selbst nur, wenn es gute Gründe für diese Zäune geben würde. Mein Jagdfreund Martin, der mich begleitete, wollte – und sollte – natürlich frei und rein nach seinem Ermessen jagen. Das Ziel war klar: Südafrika. Nirgendwo sonst gibt es so viele Gatter, nicht selten als Jagdpuff beschrieben. In die Höhle des Löwen also.

 

Der Schutz vor dem Menschen

Wie überall in Afrika wächst auch die Bevölkerung Südafrikas rasant und es gibt kaum ein Fleckchen Erde, das nicht besiedelt ist, wo nicht irgendwer seine Kühe, Schafe oder Ziegen zum Fressen hintreibt. Der Zaun dient also in erster Linie dem Schutz des Wildes vor dem Menschen. Das klingt zunächst logisch, aber ist es nicht trotzdem moralisch verwerflich, Tiere einzusperren, um sie dann zu jagen?

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17.000 Hektar

Wir fahren ins nächste Gatter: etwas weiter entfernt, 17.000 Hektar, bergiges Gelände, ein Flusslauf und eine wunderschöne Jagdlodge mitten im Gebiet. Ein Paradies für Jäger. Keine zehn Minuten, nachdem wir durch das Tor des Gatters hindurch sind, vergessen wir die Existenz des Zaunes. Wer auf 17.000 Hektar nicht frei jagen kann, der kann es auch auf 100.000 nicht. Martin erlegt einen Bergriedbock – kein Wild, das ein riesiges Streifgebiet hat. Er war schon immer hier und die wenigen Rinder, die der Farmer in diesem Gatter hält, stören ihn womöglich mehr, als jeder Zaun.

Wir jagen auf Weißschwanzgnus und es wird klar, die Jagd hier ist nichts für verwöhnte Jäger, die sich zu Hause die Sauen vor die Büchse treiben lassen. Anstrengende Pirschgänge mit jagdlichem Verstand sind gefragt. Der Zaun beginnt in den Hintergrund zu rücken, das hier kommt uns vor wie Jagd in freier Wildbahn.

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Fazit

In dieser Betrachtung fehlen natürlich die schwarzen Schafe und wir werden auch weiter über das Jagen hinterm Zaun nachdenken, doch wir kommen mit einem guten Gefühl und reicher Beute (wenn auch wenigen Stücken) wieder in Frankfurt am Flughafen an. Jagen hinterm Zaun ist eine Frage der Auffassung, doch was wir gesehen und erlebt haben, hinterlässt das Gefühl, dass trotz aller Probleme, die das Anwachsen der Bevölkerung verursacht, die die Umwälzungen in Afrika, nicht nur in Südafrika, mit sich bringen, eine Chance besteht, dass auch künftige Generationen auf dem Kontinent jagen können.

Und wenn es nötig ist, das Wild und die Natur wie im Park zu schützen, ist das besser als die Alternative, die man in Deutschland unserem Rotwild antut: Obwohl schon immer heimisch, darf Rotwild nicht überall sein und die Reservate werden kleiner. Kein Zaun hindert den stolzen Hirsch, aber eine Verordnung über ein „Rotwildfreies Gebiet“, die scharfe Zunge des Waldschützers und die inzwischen bleifreie Kugel des Nachbarn sind offensichtlich stärker als der dichteste Zaun.

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Fotos: Heiko Schwartz, Martin Böttger

Jagdzeit AG

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