Rund um die Jagd

Toni Hager – Jagdhüttenflair aus Meisterhand

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Reith bei Kitzbühel in Tirol. Hier ist der Jäger und Handwerker Toni Hager aufgewachsen. Und von hier aus bereichert er in ganz Deutschland und Österreich Räume, die etwas Besonderes sein sollen. Mit der Wiederverwendung von altem Bauholz erobert der Künstler nicht nur eine Marktlücke, sondern schafft auch ein besonderes Flair.

 

Als ich ein kleiner Junge war, waren selbstgebaute, manchmal auch nur zu Höhlen erklärte und sonstige Geheimverstecke mein Kreativraum und der meiner Verschwörerbande – Freunde, Bruder und wer auch immer die Ehre hatte, in die Geheimnisse dieser Rückzugsräume eingeweiht zu sein.

Allen diesen „Räumen“ war gemein, dass sie eine bestimmte Aura umgab, die ich bis heute in heimeligen Jagdhütten, in Burgen und Höhlen spüre.

Als ich 2015 den Messestand des Schreiners Toni Hager auf der Hohen Jagd in Salzburg betrete, fühle ich es wieder. Dieses Feeling auf einen Messestand zu zaubern, ist eine Kunst, weil der Trubel drumherum eigentlich gegen Gemütlichkeit und die Abgeschiedenheit spricht, die solch ein Raum erfordert. Der Messestand ist eine Art Jagdhütte. Auf der „Veranda“ sitzt der Hager Toni und bietet mir neben dem Du auch gleich einen Schnaps an (vielleicht war es auch umgekehrt, wer will das heute schon so genau sagen).

 

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Als ich ein halbes Jahr später sein Büro betrete, um mir das Ganze mal genauer anzuschauen, umfängt mich dieser Zauber umso mehr. Hoch über dem kleinen Ort Reith thront die Schreinerei – und der Toni. Der Standort ist zufällig. Er ist hier aufgewachsen auf dem Hof seiner Eltern. Inmitten der Berge, ohnehin schon ein Paradies, hat Toni Hager dem malerischen Ort bei Kitzbühel quasi die Krone aufgesetzt. Vielleicht ist es aber auch gerade dieser Ort, der die Naturverbundenheit mit der Kreativität und dem handwerklichen Geschick vereint.

Wir besichtigen seinen Weinkeller, die Werkstatt, das Altholzlager, eine Sauna in einem alten Weinfass. Alles selbst gebaut. Die Wohnung seiner Tochter. Unglaublich, wie modern Holz sein kann und welche Wärme es einem Ort verleiht. Dann geht es weiter. Unterhalb seiner Werkstatt hat sich Toni sein privates Refugium geschaffen: einen Schwimm- und Angelteich nebst kleiner Hütte mit gemütlichen Übernachtungsmöglichkeiten und eine Open-Air-Küche mit Räucherofen, Pizzaofen und allem Drum und Dran. Hier möchte man eigentlich gar nicht mehr weg.

Das alles hat er selbst erschaffen. Aus einer kleinen Werkstatt auf dem Hof wurde ein großer Betrieb. Mit einer Spezialisierung auf die Verwendung von Altholz. Altholz? Toni Hager kauft alte Scheunen, Bauernhäuser, Heustadl und anderes, bereitet das Bauholz unserer Vorfahren auf und verwendet es wieder. Warum? Einmal, weil es Verschwendung wäre, es nicht zu tun, vor allem aber, weil Altholz Charakter hat. Es hat viel erlebt in seiner Geschichte, hat Stürme, Wind und Wetter gesehen und spiegelt Emotionen wider, es ist ein warmer und sympathischer Baustoff mit einer natürlichen Patina, dessen Zauber sich kaum ein Mensch entziehen kann.

 

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Um mit Altholz umzugehen, muss man mehr als Schreiner oder Zimmermann sein. Der Hager Toni hat es sich mehr oder weniger selbst beigebracht, denn lernen kann man das nicht. Sein Holz bereitet er zunächst auf. Lagert es, erhitzt es, damit keine Schädlinge, Schimmel oder ähnliches die Freude am verbauten Material mindern können. Dann ist Kreativität gefragt. Egal ob Büro, Ladengeschäft, Weinkeller oder Jagdhütte – aus einem Funktionsraum wird ein Raum mit Flair und Geschichte.

Zunächst entsteht in Zusammenarbeit mit dem Kunden eine Idee im Kopf des kreativen Handwerkers. Dann folgen Zeichnungen und Angebote und schließlich verwandelt der Künstler einen Raum in ein Stück Zuhause.

Um sich seine Kreativität zu erhalten, geht Toni zur Jagd. Einfach bergauf vor seiner Haustür. Oder angelt an seinem Teich. Aber er reist auch gerne und so sind seine Ideen nicht auf alpenländische Klischees Kitzbüheler Hoteleinrichtungen beschränkt, sondern richten sich auch nach dem Zweck der Einrichtung. So steht vor der Tür seines Büros ein großes aufgesägtes Weinfass. Mit Tisch und Bänken. Einfach. Aber so entsteht eine Gartenhütte, in der man es sich gut gehen lassen kann und dort sitzt, wo jahrelang bester französischer Wein gereift ist.

 

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Probleme scheint der Tiroler nicht zu kennen. Zumindest keine, zu denen ihm keine Lösung einfällt. So ist er inzwischen mit seiner Firma Spezialist in der Oberflächenbehandlung mit Sandstrahl-Technik. Egal ob es darum geht, alten Gartenmöbeln wieder frischen Glanz einzuhauchen oder Hauswände neu zu gestalten – in Ergänzung zu seinen Tätigkeiten bei der Verwendung von Altholz kann es wohl keine bessere Verbindung geben.

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Der private Weinkeller des Toni Hager. Wer hier einmal sitzt, hat keine Lust, ihn je wieder zu verlassen.

Das Besondere an der Zusammenarbeit mit ihm: In allem, was er tut, steckt ein Feuer der Leidenschaft. Der Hager Toni sprüht förmlich vor Ideen und nimmt im Gespräch mit seinen Kunden alles auf, was diesem wichtig ist, und so findet sich der Bauherr wieder in seinem Produkt, welches individueller nicht sein könnte. Ein modernes Schlafzimmer aus 500 Jahre altem Holz genauso machbar wie ein antiker Hüttenboden, dem man nicht ansieht, dass er in Wirklichkeit aus Holz und Beton besteht. Kolonialer Stil oder alte englische Schlosseinrichtung, alpenländischer Hüttenstadl oder Konferenzraum, Schießkino oder Jagdzimmer – wer Geschmack an Holz hat, kommt an diesem Künstler seines Faches kaum vorbei.

 

 

Kontakt:

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Anton Hager –
Tischlermeister Anton Hager GmbH & Co KG Astberg 6
6370 Reith bei Kitzbühel
www.wohnen-hager.at
Tel. +43 5356 75311

Text und Fotos:

Archiv Anton Hager, Heiko Schwartz

Aus Jagdzeit Nr. 26

 

Jagdzeit AG

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1 Kommentar

  1. Thomas Scholz

    29. April 2016 at 8:54

    Sehr schöne Arbeiten! Respekt..

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