Jagd

Tansania – Jagd am Berg: Büffeljäger

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Kaffernbüffel zu jagen, ist eine der reizvollsten Jagden, die man in Afrika erleben kann. Im Norden Tansanias, im Massailand in Sichtweite des legendären Ngorongoro-Kraters in der Bergwelt des Mount Losimingor, Seite an Seite mit dem Büffelspezialisten Rainer Jösch zu jagen, ist noch einmal eine Steigerung!

„WAS INTERESSIERT MICH AFRIKA?“ Der Traum des einsamen Jägers, der aus seinem Blockhaus heraus durch nordischen Wald und weite Tundra streift, der jagt und fischt und einen ordentlichen Holzvorrat für den Winter fällt – die wilde Jagdromantik des hohen Nordens hat mich mein bisheriges Jägerleben immer bewegt. Höchstens vergleichbar mit den Möglichkeiten der Bergjagd, bei der ja auch die Hütte als Ausgangsposition der Jagd in Einsamkeit zentrales Element ist. Was also interessiert mich wirklich an Afrika?

Nun habe ich beruflich viel mit Afrika zu tun, lese fast täglich Erzählungen alter und junger Jäger, die über ihre Erlebnisse berichten und so ganz scheint es keinen losgelassen zu haben, diese Sehnsucht nach dem Dunklen Kontinent. Doch mein „Knackpunkt“ war ein Film über die Jagd auf den Kaffernbüffel. In diesem Film hat der deutschstämmige Professional Hunter Rainer Jösch mit verschiedenen Jägern auf einem Bergmassiv im nördlichen Massailand auf Büffel gejagt. Echte, harte Bergjagd, komplett ohne Auto, nur auf der Pirsch durch interessantes Gelände. Dazu: Keine Menschenseele außer dem Jäger, dem Professional Hunter und den Trackern. Das muss ein Traum sein.

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Die Erfüllung eines Traums

Und wie das bei Träumen so ist, man muss sie sich irgendwann erfüllen. Um es kurz zu machen: Jagdzeit Chefredakteur Bernd Kamphuis und Rainer Jösch vertrieben mit den buntesten Schilderungen meine letzte Afrika-Skepsis und neun Monate später saß ich mit Bernd zusammen im Flieger Richtung Kilimandscharo-Airport, Tansania: Büffeljagd

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Harte Jagd

Die folgenden Tage werden zum Nervenkrieg. Zehn Tage habe wir gebucht. Immer abwechselnd, einmal ich, dann Bernd, jagen wir Büffel. Doch nach sechs Tagen außer Büffelfieber nichts. Wir haben immer wieder Kontakt zum Wild, können eine Herde Büffel ausmachen, rennen fast 30 Kilometer hinter dem Phantom eines einzeln ziehenden Bullen hinterher, kriechen durch dichtes Unterholz und robben auf vermeintliche Einstände zu.

Aber wir kommen nicht an unseren Büffel heran. Über 80 Kilometer haben wir in dem schweren Gelände bereits zu Fuß zurückgelegt. Der Optimismus von Rainer ist ungebrochen, doch an uns nagen leichte Zweifel.
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„Der Alte ist meiner“

Julius, einer unserer Tracker, erkennt es mit seinem ungetrübten Blick als erster. Ein einzelner Büffel. Auch dieser nahezu unerreichbar, denn die rund zwei Kilometer Luftlinie werden durch eine Schlucht getrennt, die wir nicht so schnell überwinden werden können. Doch der Bulle, der da am Hang gegenüber äst, ist alt. Uralt. Grau, die Seiten eingefallen, das Haupt schwer und müde. Er wird sich gleich unter einem Busch einschieben, so die Prognose. Also, nichts wie hin.

Ein Spurt 300 Höhenmeter hinab, durch ein Tal und wieder 300 Höhenmeter hinauf, ein kleiner Umweg wegen der Schlucht und „schon“ sind wir, völlig außer Atem, irgendwo unterhalb des Büffels. Julius steht derweil auf dem Hang, von wo aus wir vor einer dreiviertel Stunde ebenfalls noch hier herübergeglast haben. Er gibt uns die Infos durch, die wir brauchen. Denn dieses Mal soll nichts schiefgehen. Der Alte ist meiner. Ich spüre das und bin dennoch unsicher, denn die Kugel liegt noch im Patronenlager.

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Der Moment ist gekommen

Es geht los. Er ist der festen Überzeugung, dass wir näher herankommen können, also folgen wir seinem untrüglichen Jagdinstinkt. Er macht das, was wir bereits überlegt hatten. Langsam und bedächtig kriechen wir über den Grat und dann jenseits der Kuppe in tiefster Gangart nach oben. Vielleicht 150 Meter. Dann horchen wir. Nichts. Der Wind, immer noch beständig drehend, verschluckt die Geräusche. Ganz vorsichtig Funkkontakt. Unser Fernspäher kriecht förmlich durchs Funkgerät. „Wollt ihr ihn streicheln oder wollt ihr ihn schießen?“ Der Büffel scheint direkt neben uns zu äsen.

Durchs hohe Gras und wegen der kleinen Kuppe sehen wir ihn nicht – und er uns nicht, aber Julius hat den Überblick. Keine 15 Meter trennen uns von dem grauen Koloss – Zeit zu handeln. Kurzer Blickwechsel, dann schiebt Rainer mir das Zweibein aus der Deckung. Ohne zu zögern, liegt der Schaft bereits in der Gabel und der Schuss bricht. Es reißt den Bullen von den Läufen, er liegt auf dem Boden, alle vier Läufe von sich gestreckt. Ein zweiter Schuss durchschlägt das Rückgrat. Stille. Der Büffel ist verendet. Blut läuft mir über den Nasenrücken.

Der Kuss der .416 Rigby hinterlässt Spuren. Glück, Adrenalin. Gegen 17.00 Uhr Ortszeit, nach rund 120 Kilometern zu Fuß, kreuz und quer durch den Berg, Zweifel, Wünsche, Hoffnungen. Wir haben es geschafft. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, am Haupt eines solch alten Bullen zu knien. Noch immer strahlt er eine Kraft aus, die sonst kaum ein Wild vermittelt.

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Fotos: Heiko Schwartz, Bernd Kamphuis

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