Jagd

Krokodiljagd am Sambesi

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2005 begleitete ich zwei meiner schwedischen Kunden nach Mosambik, um auf Flusspferd und Krokodil zu jagen. Ich organisierte diese Safari am berühmten Cahorra Bassa-See in Mosambik nahe den Grenzen zu Sambia und Simbabwe. Die nächstgelegene Stadt war Zumbo am Nordufer des mächtigen Sambesi-Stroms.

Crocodile Sambesi

Erlegtes Krokodil am Ufer des Sambesi

Die Trophäe, die für uns die größte Herausforderung darstellte, war die des Krokodils. Auch heute noch halte ich die Krokodiljagd für die am stärksten unterschätzte Jagd in Afrika. Meiner Meinung nach haben Krokodile die unglaublichsten, und schärfsten Sinne, die ihnen seit Millionen Jahren ihr Überleben sichern – das erklärt auch ihre große Ähnlichkeit mit prähistorischen Tieren.

Die Jagd

Unsere Herangehensweise war die folgende: Wir suchten nach einem schwarzen, großen Krokodil, das sich gerade an einem Ort sonnte, der uns auch die Möglichkeit bot, aus dem verblenden Ansitz, heraus einen sicheren Schuss abzugeben. Die Insel, die das Krokodil oft zum Sonnen annahm, lag weniger als 100m entfernt in gutem Wind, somit war ein präziser Schuss ins Genick – etwa 5cm von den Mundwinkeln in Richtung Hinterkopf – möglich.

Wir säuberten den Pirschsteig, um vom Ort, an dem das Boot zu Wasser gelassen wird, lautlos bis zu der Stelle, von der aus geschossen wird zu gelangen.

Bergung des Maneater

Bergung des Maneater

Zudem errichteten wir einen gut verblendeten Schirm mit einer guten Auflage, von wo aus ein sicherer Schuss angebracht werden konnte. Danach ging es zum Schießplatz, zum Einschießen der Gewehre unserer Jäger, auf die exakte Distanz zwischen Schirm und der gegenüberliegenden Insel, auf der das Krokodil sein Sonnenbad nahm. Die Distanz ermittelten wir mit einem Entfernungsmesser.

All diese Vorbereitungsarbeiten machen diese Jagd zu einer spannenden Erfahrung ähnlich der Leopardenjagd, die eine genauso sorgfältige Planung erfordert um Erfolg zu haben.

Als die gesamte Vorarbeit abgeschlossen war, unternehmen wir mehrere Pirschgänge auf das gut getarnte männliche Krokodil, das uns dabei einige Male entwischte. Nach jeder erfolglosen Jagd angelten wir entweder den Vormittag über auf Tigerfisch, oder wir jagten kleinere Buschböcke, die in der wärmsten Zeit des Tages am aktivsten sind oder mitten am Tag an den grünen Ufern des Sambesi grasen.
Wir hatten auch das Glück, einen Sharpe-Greisbock zu Gesicht zu bekommen, der im Schatten schlief. Wir pirschten uns an ihn heran und erlegten ihn auf etwa 40m mit der .375 H&H meines Kunden mit einem sauberen Schuss.

Als wir schließlich wieder im Schirm saßen und uns auf den Schuss auf das Krokodil vorbereiteten war die Aufregung und das Jagdfieber überwältigend: Ich konnte meinen Herzschlag in meinen Ohren spüren – ganz zu schweigen vom Herzschlag meines Kunden. Immer dann, wenn ich dieses Gefühl spüre, weiß ich: darum jagen wir.

Vermessung des Krokodils

Vermessung des Krokodils

Der Schuss auf ein Krokodil muss richtig sitzen um seine ideale Wirkung zu erzielen, sonst gleitet das Krokodil in den Fluss und verschwindet auf Nimmerwiedersehen.
Das ist ein weiterer Grund dafür, warum die Jagd nach einem großen Krokodil sehr viel Sorgfalt und Genauigkeit erfordert. Ist der Schuss nicht genau genug platziert, ist die Jagd wahrscheinlich ein Misserfolg.
Hier unterscheiden sich Flusspferde und Krokodile enorm voneinander: Erlegt man ein Flusspferd und es gleitet nach dem Schuss in den Fluss, ist das nicht ganz so schlimm, da sich der Bauch eines Flusspferds nach ein paar Stunden mit Gasen füllt. Dieser bläht sich nach einem Kopfschuss relativ schnell auf, und das Flusspferd steigt an die Oberfläche.
Beim Krokodil dauert dieser Vorgang nicht nur ein paar Stunden, sondern oft zwei bis drei Tage.
Es dann noch unbeschadet zu finden und zu bergen ist so gut wie unmöglich.

Ich spürte die Aufregung meines Jägers und versuchte ihn zu beruhigen, um seine Atem- und Herzfrequenz möglichst niedrig zu halten. Auf den Schuss begann das Krokodil sich zu drehen und sich langsam in Richtung Wasser zu bewegen, mein Jäger schaffte es zwar noch einen zweiten Schuss anzubringen, konnte es aber nicht mehr stoppen. Wir sahen, wie es sich auf den Fluss zubewegte; sein Schwanz durchbrach langsam die Wasseroberfläche und das Tier verschwand im Wasser.

Die Bergung

Wir holten so schnell wie möglich das Boot und hofften, es im seichten Wasser auszumachen und einen Teil des Schwanzes zu erwischen, um so unsere Beute zu retten. Als wir die Stelle erreichten, an der wir den Schwanz verschwinden gesehen hatten, konnten wir aber nichts finden. Die Strömung hatte es schon Stück flussabwärts getragen. Aber ich wusste das der Schuss tödlich war, und wir mussten es finden. Wir schnitten einige Bambusstäbe ab und schon bald hatten wir auch einige Makkoros (hölzerne Einstammboote) der Einheimischen um uns, die uns bei der Suche halfen.

sichtliche Erleichterung nach erschwerter Bergung

Nach der Bergung

Nach etwa drei Stunden Suche in unseren Booten, die immer weiter flussabwärts trieben, rief uns einer der Einheimischen und erzählte, dass er etwas unter sich im Flussbett spüren würde; er sei sich ganz sicher, dass es das Krokodil sein müsse. Ich fühlte es dann selbst und bestätigte seinen Eindruck: Es war zu weich für einen Stein und fühlte sich zu tot an, um ein lebendiges Krokodil zu sein. Da die Strömung zu stark dafür war, dass ein Boot ohne abzudriften stehenbleiben würde, gingen uns die Ideen aus, wie wir das Krokodil sichern könnten. Es gab nur noch eine Möglichkeit: hinunterzutauchen und es mit einem Seil festzubinden. Der einzige, der das machen konnte, war ich. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie überrascht ich war, als ich unter Wasser die Augen öffnete und alles um mich herum grün war, während das Wasser von oben so blau wirkte.

Als ich an einer der Bambusstangen hinunterrutschend den Grund erreichte, sah ich dem Krokodil direkt in die Augen. Ich konnte es nur schwer im Blick behalten, hatte jedoch bereits erkannt das es tot war. Ich wusste, ich hatte nicht viel Zeit bevor seine Artgenossen beginnen würden an ihm – oder an mir – zu fressen. Ich schaffte es nur knapp an die Wasseroberfläche, die Luft zum Atmen ging mir schon fast aus, als ich schneller ins Boot sprang, als ich es mir jemals hätte vorstellen können. Der Grund für diese ungeahnten Kräfte war die pure Angst: Als ich noch im Wasser war, konnte ich spüren, wie etwas meine Beine packte …

Wie erleichtert mein Kunde doch war, als er sah, wie das mit dem Seil festgebundene Krokodil die Wasseroberfläche durchbrach! Wir zogen es hoch, während er den Nächstbesten vor lauter Freude umarmte und über das ganze Gesicht strahlte. Nun war die Zeit für Fotos gekommen: Wir zogen das große, eine Tonne schwere, Krokodil mit Hilfe der Einheimischen an den nächsten Strand, um ein paar Fotos zu schießen. Wir waren damit beschäftigt, das Tier für die Aufnahmen vorzubereiten, während die Einheimischen angeregt miteinander diskutierten; später sollte sich herausstellen, dass sie darüber redeten, dass genau dieses Krokodil am Vortag einen Bewohner ihres Dorfes getötet hatte! Ich erwiderte darauf, dass es wohl jedes Krokodil sein hätte können, das in der Nähe war. Ich zeigte auf ein riesiges Krokodil etwa 500 Meter von uns entfernt, das in diesem Moment aus dem Wasser stieg, um sich zu sonnen. Doch die Einheimischen entgegneten nur, dass sie das Krokodil erkennen konnten und sicher waren, den „Maneater“ vor sich zu haben. Sie sollten recht behalten.

Das Schrecken zum Schluss

Nun gut, ich werde die Bilder den Rest der Geschichte erzählen lassen. Nur noch ein unglaublicher statistischer Wert: Mehr als 70 Menschen werden in diesem 10 km langen Bereich des Sambesi jedes Jahr von Krokodilen getötet. Das ist nur ein sehr, sehr kleiner Abschnitt dieses mächtigen Stroms, und ich kann nur schätzen, wie hoch die Zahl der Todesopfer für den gesamten Fluss sein wird.

Teile des Körpers des getöteten und verspeisten afrikanischen Dorfbewohner

Teile des Körpers des getöteten und verspeisten afrikanischen Dorfbewohner

Wir alle versprachen uns gegenseitig, dass wir diese Bilder nicht verbreiten würden, da es ein sehr sensibles Thema ist. Doch heute entschloss ich mich dazu, diese Geschichte zu erzählen, da das Ereignis schon viele Jahre zurückliegt und einige Fotos vor ein paar Jahren dann doch ihre Kreise zogen. Falls Sie diese Fotos also bereits gesehen haben, kennen Sie nun auch die wahre Geschichte dahinter.

Maneater

Mageninhalt vom Maneater

Ich selbst erjagte im Laufe der Jahre vier weitere Krokodile nach ähnlichen, tödlichen, Vorfällen. Es ist natürlich nie gut, wenn so etwas im Camp passiert. Die Krokodiljagd ist eine der schönsten, aufregendsten und am meisten herausfordernden Jagden – aber ehrlich gesagt ist das Krokodil eines der Tiere Afrikas, das ich am wenigsten gerne jage.

 

Piet Otto safaris

Piet Otto Safaris has been conducting safaris in Southern Africa for more than 16 years.

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