Wildarten

Kaffernbüffel – Die goldenen Regeln

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Büffeljagd: Bei kaum einer Jagd ist der Grat zwischen Drama und Euphorie, zwischen Glück und Unglück schmaler. Gute Jagd wird ermöglicht durch das Beherrschen handwerklicher Anforderungen. Doch worauf kommt es an, was muss man wissen, wenn man Kaffernbüffel jagen will? Was ist essenziell, was das Rüstzeug, das man mitbringen muss? Ein erfahrener Großwildjäger berichtet vom 1x 1 der praktischen Jagd. Berichtet davon, was wirklich wichtig ist.

 

DIE SAISON 2012 GEHT IM SÜDLICHEN AFRIKA ihrem Ende entgegen und wieder hat es bei der Büffeljagd einige tödliche Unfälle gegeben. Obwohl die Zahl der Unfälle in Relation zu den insgesamt durchgeführten Büffeljagden äußerst gering ist, muss man feststellen, dass den tödlichen Fällen fast immer menschliche Fehler zugrunde liegen. Jeder Unfall ist einer zu viel, doch ich bin mir bewusst, dass der Büffel auch schlichtweg einmal „seinen“ Tag haben kann.
Lapidar gesagt: Shit happens!

Doch andererseits, und dies ist meine ganz persönliche Einstellung und gilt nur für mich selbst: „What a way to go!“ Mit diesem Artikel möchte ich ganz grundlegende Dinge der Büffeljagdpraxis erläutern, die sogenannten „Goldenen Regeln“.Die Meinung, die ich hier vertrete, ist selbstverständlich subjektiv, weder allumfassend noch vollumfänglich. Ich hoffe aber, dass sie Denkanstöße gibt und vielleicht manche Diskussion in Gang bringt.

 

Gefährlichkeit/Hinterlistigkeit des Büffels
Was die Gefährlichkeit des Büffels angeht, weise ich gerne auf die Analyse hin, die bereits veröffentlicht wurde (Jagdzeit International, Ausgabe 11, 2/2012), und beschränke mich deshalb ausschließlich auf das Wesentliche im direkten Zusammenhang mit den goldenen Regeln.
Ja, der Kaffernbüffel wird zu Recht als einer der gefährlichsten der Big Six angesehen. Seine Schusshärte und sein beinahe unzerstörbarer Überlebenswille sind konkurrenzlos.Für mich ist er die Nr. 1 in der Rangordnung der wehrhaften Wildarten. Doch ich glaube, dass man die Gefährlichkeit genauer aufschlüsseln muss, nämlich vor und nach dem Schuss. Wir sind geneigt, die Gefährlichkeit zu pauschal zu bewerten, und das hat dazu geführt, dass wir beim bloßen Wort Büffeljagd schon zusammenzucken. All die Mythen und Märchen führen dazu, dass sich mancher Jäger von vornherein nicht an das Thema in der Praxis herantraut.
Doch die Realität sieht anders aus: 99,9 Prozent aller Büffeljagden, die von einem erfahrenen Berufsjäger geführt werden, sind ungefährlich. Ein Restrisiko bleibt, Murphys law schwingt immer mit, aber bei einer normalen Büffeljagd, bei der es ins Dickicht geht, sind eine Elefantenherde oder ein Löwenrudel die größere Gefahr für den Jäger.
Dies macht aber den Reiz einer Wildnisjagd aus. Leben und Überleben, mit allen Sinnen, die man im Busch braucht, machen für mich den Unterschied aus zwischen wirklichem Leben und bloßer Existenz. Aber zurück zur Einschätzung der Gefährlichkeit des Kaffernbüffels: Aus meiner Sicht ist die Gefährlichkeit einer Büffeljagd bei Weitem überbewertet.
Es sei denn, der Bulle ist angeschweißt!

 

Trotz ihrer Größe sind Büffel extrem wendig und schnell. Und tot ist ein Kaffernbüffel erst, wenn man ihn gegessen hat, lautet ein afrikanisches Sprichwort.

Trotz ihrer Größe sind Büffel extrem wendig und schnell. Und tot ist ein Kaffernbüffel erst, wenn man ihn gegessen hat, lautet ein afrikanisches Sprichwort.

 

Zur Hinterlistigkeit, die dem Kaffernbüffel immer wieder nachgesagt wird, kann ich sagen, dass ich diese vermenschlichte Sicht auf das Verhalten dieses Wildes nicht teile, sie für einen Mythos, einen groben Irrtum halte. Im Normalfall wird ein Büffel, ob gesund oder krank, vor dem Menschen flüchten.
Dies ist sein normales Verhalten. Es ist bekannt, dass wehrhaftes Wild, also die Big Six, eine Flucht- und eine Kampfzone (flight or fight zone) haben. Diese Zone variiert ja nach Terrain (offenes Gelände = größere Distanz, dichtes Gelände = geringere Distanz) und der Verfassung des Stückes. (Ist es angeschweißt, bedrängt, überrascht oder fühlt sich in die Enge getrieben?)
Diese Faktoren können natürlich auch in Kombination vorkommen und so die Flucht- oder Kampfdistanz vergrößern oder verringern.
Ein angeschweißter Büffel wird in neun von zehn Fällen die Flucht ergreifen. Diese Situation kann sich total umkehren, wenn er auf sehr kurze Entfernung überrascht wird oder nicht mehr flüchten kann und sich dann zum Kampf stellt.
Ein Angriff im ersten Fall gleicht normalerweise einer Art Sturzflucht, bei der der Büffel einen überrennt und dann unabhängig vom Resultat weiterflüchtet, während es im zweiten Fall um Leben und Tod geht. Gerät man in eine solche Situation, muss man wissen, dass es keinen Ausweg gibt. Der angeschweißte Büffel wird dich bis zu seinem letzten Atemzug verfolgen. Mit dem Ziel dich zu vernichten.
Er wird nicht von seinem Angriff ablassen, nie und nimmer, so lange, bis er stirbt oder dich tausendmal umgebracht hat. Hier heißt es „kill or be killed“.
Beim Nachstellen eines angeschweißten Büffels wird dieser wie beschrieben zumeist wegbrechen, sobald man in seine Fluchtzone kommt.

Je schwerer er verletzt ist oder je länger er verfolgt oder gedrückt wird, desto kleiner wird diese Zone. Kann er seine Verfolger nicht abhängen, schlussfolgert er, seinen Feinden nicht mehr entkommen zu können. Dann stellt er sich. Oft erfolgt der Angriff von der Seite, aus einem sogenannten Hinterhalt. Dieser „Hinterhalt“ ist aber Resultat dessen, dass der Büffel versucht, seine Verfolger in den Wind zu bekommen. Solange er kann, wird der Büffel versuchen die Entfernung zu vergrößern, wird er aber schwach/müde, dann beginnt er zu kreisen, um schließlich den Wind von vorne zu kriegen, und sich in dicke Vegetation einzustellen. Übrigens: Auch gesunde Büffel handeln so.
Unzählige Male habe ich im dichten Busch (Jess, Combretum-Dickicht) Büffel auf wenige Meter rechts oder links der Fährte wegbrechen hören. Man geht auf der Fährte, ist noch vor der Stelle, wo sie plötzlich scharf von der eingeschlagenen Richtung wegführt, und kommt dann sehr nah an seinem Versteck vorbei. Der Büffel ortet seine Verfolger sehr genau, der kranke Büffel ist dann kurzfristig im Vorteil.

 

Afrikanischer Büffel

Der erste Schuss zählt. Ist dieser schlecht, dann steht Ärger an.

Wenn er nicht mehr kann oder will oder weil er seinen Vorteil ausnutzen will bzw. man in seine Kampfzone geraten ist, dann greift er an. Eine vergleichbare Situation kann sich abspielen, wenn ein angeschweißter Büffel bei der Flucht in ein Dickicht kommt, wo er sich vor seinen Verfolgern sicher fühlt und einen Einstand abseits der Fährte einnimmt.
Hier gelten dieselben Regeln, nämlich Überraschung, Verkleinerung der Fluchtzone oder zunehmende Schwäche und das Bewusstsein des Nicht-Entkommen-Könnens.
Also wieder ein überraschender Angriff, der nicht aus der erwarteten Richtung geschieht. Hinterlistig? Ich glaube nicht. Es entspricht schlicht dem normalen Verhaltensmuster aller Büffel, denen ich begegnet bin. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Büffeljagd, wenn korrekt ausgeführt, im Grunde genommen kein gefährliches Unterfangen ist. Betonen muss man aber, dass das Befolgen der goldenen Regeln, die noch besprochen werden, als Voraussetzung gilt. Bei mehr als 90 Prozent der recherchierten Büffelunfälle der vergangenen 30 Jahre ist bewiesen, dass der menschliche Faktor und/oder das Nichtbeachten der Regeln zu diesen Unfällen geführt haben.
Als größter aller Fehler hat sich dabei die Unerfahrenheit des Berufsjägers gezeigt. Und auch wenn ich jetzt den Fokus auf die Unfälle gelegt habe: Der Prozentsatz der Unfälle bei der Büffeljagd ist sehr, sehr gering.

Sollte man den Kaffernbüffel mystifizieren, ihn gar als „Schwarzen Tod“ beschreiben? Meiner Ansicht nach nein, mit dem Vorbehalt, dass der Büffel seinen Ruf als einer der wehrhaftesten und zähesten der Big Six durchaus verdient. Büffeljagd ist meistens ungefährlich, kann aber auch tödlich ausgehen.
Darum mein Rat: „Tread softly and shoot straight!“ Treten Sie leise auf – und schießen Sie geradeaus!

Von blöden Rindern und Mündungsbremsen

Jeder Jäger sollte einmal in seinem Leben auf Büffel jagen!
Realistisch gesehen weiß ich aber, dass der Traum einer Büffeljagd auf dem Schwarzen Kontinent, allein vom Preis her, für viele ein Traum bleiben wird. Das ist schade, denn eine ehrliche Büffeljagd zwingt jeden wahren Jäger, in sich selbst zu kehren und mit sich selbst im Reinen zu sein. Demjenigen, der Büffel jagen will, stellt sich die Frage, wo man anfangen soll. Schnell ist man geneigt, anzunehmen, dass es im Internetzeitalter – ich nenne es nur Star Wars – ein Leichtes sein sollte, einen Anbieter als Träumewahrmacher zu finden. Aber Vorsicht ist geboten, denn im gesichtslosen, anonymen Cyber-Sumpf ist jeder der Beste, hat die tollsten Gebiete, die luxuriösesten Camps und die kapitalsten Trophäenträger. Und wenn dies dann noch auf eine Geiz-ist-geil-Haltung trifft, ist das Desaster vorprogrammiert. Ich wundere mich oft über die Ziffer missglückter Büffeljagden, denn ich glaube, dass viele Jäger zu stolz oder beschämt sind, um darüber zu berichten, was tatsächlich passiert ist.

 

Im dichten Busch kommt man manchmal näher heran als gewollt. Insbesondere wenn es sich um einen Jüngling wie im Bild handelt, ist das unnötig.

Im dichten Busch kommt man manchmal näher heran als gewollt. Insbesondere wenn es sich um einen Jüngling wie im Bild handelt, ist das unnötig.

In den 90er Jahren hatte ich einen Gast, der sehr prominent war und mit einer .460 Weatherby anreiste. Ein Tabu-Kaliber! Man sagt, dass man nicht schlecht über Frauen und Waffen anderer Männer reden soll. Aber bei der .460 Weatherby hört dieses Stillschweigen bei mir mittlerweile auf. Wie dem auch sei, der Promi verweigerte die ihm offerierte Leihwaffe.
Daraufhin machte ich ihm klar, dass er allein die volle Verantwortung für seinen Schuss auf einen Büffel zu tragen habe. Seine Freunde, die beim Probeschießen zugegen waren, können dies bezeugen.
Es ging also los und als Profi habe ich alles dafür getan, um den Mann so nah wie möglich an den Büffel heranzubringen. Mithilfe meines Fährtenlesers Chiwa gelang es, den Mann auf 15 Meter (!) an den breit stehenden, kapitalen Bullen zu führen.
Ich weiß bis heute nicht, wo der Büffel getroffen wurde. Gesehen habe ich nichts, denn der ganze Busch, selbst nahe stehende Bäume, wackelten bei der fürchterlichen Detonation und in Sekundenbruchteilen verschluckte eine dichte Staubwolke die gesamte Umgebung.
Ein Kugelschlag war natürlich auch nicht zu hören, denn am Ende der Kanone war eine hässliche Mündungsbremse. Dass ich dem Mann nicht an Ort und Stelle eine Ohrfeige verpasst habe, schreibe ich meinen damals noch relativ jungen Jahren zu. Bis heute reagiere ich allergisch auf Mündungsbremsen. Und damit stehe ich nicht allein, grundsätzlich haben wir Berufsjäger in Afrika etwas gegen Mündungsbremsen. Es gilt: Hast du Angst vor dem Kaliber, dann nimm ein kleineres, mit dem du einen sicheren Schuss abgeben kannst.
Afrika ist Großkaliber-Country.
Aber zu einer guten Waffe in einem Großkaliber gehört auch fachliches Wissen vonseiten der Hersteller. Es gibt eine Basis, die alle großkalibrigen Waffen haben sollten: Gerader Schaftrücken, genügend Gewicht, keinen zu dünnen Lauf. Dann braucht man keine Mündungsbremse. Doch zurück zum Promi. Die Nachsuche dauerte vier lange, schweißtreibende Tage (ohne Gegenwart des Schützen). Wir arbeiteten die Krankfährte zum Schluss ohne Schweiß mühsam aus, bis sie schließlich über die Grenze eines Nationalparks führte. Damit war der Bulle endgültig verloren. Die drei Mitjäger indes waren allesamt glücklich, hatten gute, alte Büffel erbeutet. Alle hatten kleine Kaliber geführt (2 x .375 H&H, 1 x 9,3 x 62), natürlich ohne Mündungsbremsen. Als die Saison beendet war, besuchte ich den Präparator, der die Gruppe zu mir vermittelt hatte. Fassungslos hörte ich zu, wie dieser mir erzählte, was der erfolglose Promi zum Besten gegeben hatte, nämlich, warum er keinen Büffel bekommen hatte.
Erklärung: Er habe bei seinen Jagdkameraden gesehen, dass das Büffeljagen ein zu leichtes Unterfangen sei. Deshalb habe er darauf verzichtet, ein blödes Rind zu erlegen. Was sagt man dazu?

 

Jagdpraxis

Im südlichen Afrika erfolgt die Jagd auf Büffel normalerweise durch Pirschfahrten, wobei Aussicht nach Büffeln oder frischen Fährten gehalten wird. Da die Wildnisgebiete sehr groß sind, sollte man sich auf sehr frühes Aufstehen (in der Dunkelheit) einstellen.
Und aufgrund des frühen Aufstehens sollte man auch nicht allzu spät ins Bett steigen. Versuchen Sie bitte nicht, den Alkoholvorrat des gesamten Camps vor Ihrem Jagderfolg leer zu trinken. Büffeljagd ist kein Kinderspiel. Berufsjäger, denen morgens angetrunkene Gäste auf den Jagdwagen fallen, haben die Angewohnheit, an solchen Tagen extrem lange Pirschgänge zu unternehmen.
Dann wird so lange marschiert, bis der Gast wieder klar ist. Wild trifft man an diesen Tagen komischerweise seltenst an …
Grundsätzlich sucht man nach Fährten kleiner Bullengruppen und nimmt diese auf, wenn sie frisch genug scheinen. Einzelne Fährten ignoriert man zumeist, da das Ausfährten meist enttäuschend ist. Oft ist der Bulle gering oder hat abgebrochene Hörner. Eine Gruppe von mehreren Büffeln erhöht die Chance, einen starken, alten Bullen zu finden. Große gemischte Herden werden im Allgemeinen vermieden, außer zu bestimmten Jahreszeiten, meist März bis Juli, wo das Gras noch sehr lang ist, was wiederum den Löwen das Jagen erleichtert. In dieser Zeit findet man kaum Dagga-Boy-Fährten, weil sich die Bullen dann gerne zu ihrem eigenen Schutz zu den Herden gesellen.
Beim Ausfährten einer Herde drückt und drängt (in Englisch „bump“) man sie und zwingt sie dann zumeist zwei oder dreimal zur Flucht, wenn man beim ersten Versuch keinen Bullen hat erlegen können. Dieses Unterfangen ist entmutigend und meist erfolglos wegen der vielen Augen, die einen zu früh entdecken. Und natürlich wegen Murphy, der den alten Bullen mitten in die Herde oder auf die andere Seite der Herde stellt. Dazu kommt, dass die Kühe sehr wachsam sind, vor allem wenn sie die ganze Nacht von Löwen gehetzt wurden. Darum lassen wir Büffel, wenn Löwen hinter ihnen her sind, normalerweise in Ruhe. Wenn eine Herde mit Bullenfährten zwei- oder dreimal gedrückt wird und vor uns wegbricht, dann platzieren wir zwei Fährtenleser an den Außenrändern der Fluchtfährte, um die abzweigenden Bullenfährten aufnehmen zu können.
Aus Erfahrung kann ich sagen, dass Bullen, die mit der Herde mehrmals auf Trab gebracht werden, nach einer Weile keine Lust mehr zu haben scheinen, mit den Damen und der Kinderschar mitzugehen. Sie scheinen Ruhe zu suchen und sondern sich von der großen Herde ab.

 

Büffel in der Savanne, Sonnenuntergang

Kaffernbüffel zu jagen gehört zum stimmungsvollsten und spannendsten Weidwerk Afrikas.

 

Ich erwähne diese Jagdtaktik nur, damit auch der unerfahrene Büffeljäger eine solche Situation einschätzen kann. Nicht immer kommuniziert der PH seinem Gast dieses Verhalten und zwangsläufig fragt man sich als Neuling, was das Ganze soll.
Ein guter PH wird zu jeder Zeit seinen Gast mit in das Geschehen einbeziehen und erklären, was und warum man gerade etwas macht. Und den Gast nicht einfach als Deppen hinterherlaufen lassen. Sollte dies nicht der Fall sein, dann muss man als Gast dies auch seinem PH gegenüber kundtun, denn schließlich zahlt man viel Geld und man hat das Recht darauf, alles über die Jagd zu erfahren.

Nur so wird sie zu einem gemeinsamen Erlebnis und damit viel spannender und eindrucksvoller.

Zum Schluss noch etwas über die körperliche Verfassung. Sorgen Sie dafür, dass Sie fit sind. Physisch wie psychisch.
Büffeljagd ist neben der Pirsch auf Elefanten die anspruchsvollste Jagd in Afrika. Sie wird Ihnen alles abverlangen. Rechnen sollten Sie mit täglich acht bis zehn Kilometer Pirsch. Bereiten Sie sich gründlich vor. Es wird Ihnen zugutekommen.
Mit dem Erlangen dieser Voraussetzungen möchte ich überleiten zu den goldenen Regeln der Büffeljagd. Sie sind für mich mehr als bloße Richtlinien, die beachtet werden müssen. Sie sind für mich das Gebot der Großwildjagd.

 

Die goldenen Regeln

 

Vier Dinge sind elementar:

1.: Make the first shot count!

2.: Use enough gun – but not too much!

3.: Be a safe hunter, not a bold hunter!

4.: It’s the dead one that kills you!

 

Make the first shot count

Das Allerwichtigste ist der erste Schuss. Der muss sitzen! Oder, wie ich gerne sage, die „Glocke muss läuten“ (siehe Zeichnung).

Ein versierter Berufsjäger muss Sie so führen, dass Sie in der Lage sind, einen guten, sicheren Schuss in die Kammer zu bringen.
Hierzu gehört ein nicht zu weiter Schuss (das bedeutet in der Regel, dass Sie maximal 80 Meter weit entfernt sind, näher ist besser), eine offene klare Lücke zur Kammer und eine sichere Auflage. In dieser Hinsicht muss aber auch gesagt werden, dass ein Büffel in natura selten wie im Schießkino breit und ungedeckt dasteht und dazu noch so nah, dass Sie selbst im Drückjagdglas nur Schwarz sehen. Die Devise lautet, den Finger lieber gerade zu lassen, wenn etwas nicht passt. Der erste Schuss muss passen. Es ist schwierig, dies immer genau abzuwägen, man darf schließlich auch nicht in Ehrfurcht erstarren.
Büffel lassen sich nun mal nicht anbinden.
Es hilft, wenn man sich ein Bild der Kammer einprägt, und zwar in Form einer Glocke. Diese Glocke hängt zwischen den Vorderläufen. Der erste Schuss muss so angetragen werden, dass er die Mitte der Glocke trifft. Und das aus allen Winkeln, ausgeschlossen natürlich von hinten.

 

Treffersitz Kaffernbüffel

Die imaginäre Glocke muss läuten!

Je winkliger der Bulle zu einem steht, desto schwieriger. Schüsse von schräg hinten sind zu unterlassen, weil das Projektil zu weit durch den Pansen dringen muss. Wie gesagt, die Glocke muss läuten, deswegen versuchen Sie immer, sich den Weg des Projektils durch den Wildkörper vor Augen zu führen.
Dazu die Zeichnung von oben: Für den Jagdgast bedeutet diese Regel, dass er sich mit der Anatomie des Büffels vertraut macht, dass er mit seiner Waffe umgehen kann und sie zu allen Zeiten sicher führt, auch wenn es hektisch wird. Auch der Gast hat eine Menge Verantwortung. Sicherheit mit und an der Waffe ist immer oberstes Gebot.
Dies wiederum verlangt Übung, Übung, Übung. 100 Schuss im Vorfeld abgegeben, freihändig, über Zwei- oder Dreibein, sitzend, kniend oder angestrichen sind gut. Mehr sind besser. Dies ist man dem Wild, dem PH und seiner Mannschaft, aber vor allem sich selbst gegenüber schuldig. Je besser vorbereitet man die Reise antritt, desto größer das Erlebnis.

 

Use enough gun – but not too much

Die Waffe, die Sie führen, muss zu Ihnen passen. Das bedeutet, dass Sie mit ihr vertraut sind und sie gut schießen können.
Gesetzlich vorgeschrieben ist in den meisten afrikanischen Ländern das Minimumkaliber .375 H&H bzw. ein Minimum von 4000 kJ. Hat man Angst vor einem großen Kaliber, dann sollte man ein kleineres wählen, das noch im gesetzlichen Rahmen ist.
Ein Beispiel eines zu groß gewählten Kalibers hatte ich ja eingangs geschildert. Ich habe es auch schon erlebt, dass jemand mit einer .600 NE auf 15 Meter einen Elefanten nicht aufs Blatt, sondern in den After geschossen hat. Too much gun …

 

Be a safe hunter, not a bold hunter

Hiermit möchte ich zum Ausdruck bringen, dass man seine Grenzen kennen sollte. Sicherheit steht über allen anderen Dingen. Auch die Wahl eines guten, erfahrenen PH erhöht die Sicherheit. Nach dem ersten Schuss ist es unbedingt notwendig, eine Wartezeit einzulegen. Nicht nur die viel zitierte Zigarettenlänge, sondern eine gute halbe Stunde. Bei vermuteten Weichschüssen zwei bis drei Stunden. Aus diesem Grund bevorzugen viele erfahrene Büffeljäger die Zeit von frühmorgens bis gegen 15.00 Uhr nachmittags für die Jagd, gehen danach nur noch auf Plains Game.
Es ist aus meiner Erfahrung nur im Okavangodelta Botswanas üblich (es gibt aber noch andere vergleichbare, kleinere Gebiete), direkt nach dem Beschießen des Büffels dessen Verfolgung, oft im Laufschritt, aufzunehmen.
Die Erklärung liegt darin, dass der angeschweißte Büffel sonst sofort im dichten Tsaro-Palmengürtel der Inseln untertaucht, sich sammeln und orientieren kann.
Das sehr kleine Zeitfenster muss man nutzen, um schnell einen Termitenhügel (fast immer vorhanden) zu erklimmen und so den Büffel zu orten und zu töten, bevor er Zeit hat, richtig böse zu werden und zu Sinnen zu kommen.
Bislang hat sich diese Taktik nach einigen Jahrzehnten ohne Verluste unsererseits bewährt. Gleichwohl betone ich, dass diese Methode nicht woanders und schon gar nicht ohne Erfahrung angewandt werden darf.

Die Nachsuche

Als goldene Regel bei der Nachsuche gilt nach der obligatorischen Wartezeit immer: Maximale Konzentration! Man muss regelmäßige Pausen einlegen, um die Augen und die Nerven auszuruhen. Dann kann man wieder die volle Konzentration aufnehmen. Und noch etwas ist in solch einer Situation wichtig: Positives Denken!
Negative Gedanken führen zu Unglück und Misserfolg. Der Busch spürt das, hat Augen und Ohren für diese Schwäche. Eine negative Einstellung gehört so oder so zu keiner Jagd.
Im Falle eines Angriffs schieße ich nie, absolut niemals, von hinten aus der zweiten oder dritten Reihe. Denn abgesehen von der Gefahr, dass man einen der vorne stehenden Mitjäger an- oder im schlimmsten Fall totschießt, vielleicht auch nur die Trommelfelle von PH oder Fährtenleser platzen lässt, läuft man Gefahr (zumindest bei mir), die folgende Watsche des Berufsjägers nicht zu überleben. Ein paar schnelle Schritte nach vorn, Schulter an Schulter stehend und schießend, kann und muss der Angriff gestoppt werden.
Renne nie einem angeschweißten Büffel hinterher, in der Hoffnung einen weiteren Schuss abgeben zu können, wenn du ihn nicht zu jeder Zeit im Auge hast. Ist der Büffel nicht mehr zu sehen, muss man stoppen. Man bleibt fokussiert, hat die Waffe im Voranschlag und schaut aufmerksam in die Fluchtrichtung.
In dieser Haltung geht man langsam mehrere Schritte zurück. Warten und horchen in allerhöchster larmbereitschaft ist nun angesagt. Hiermit meine ich auch Folgendes: Es gibt Berufsjäger in manchen Ländern und Regionen (passt vor allem bei PHs, die blaue Fußballhosen tragen), die allen Büffeln nach dem ersten Schuss blindlings nachrennen. Zwar gibt es Situationen, die das Nachrennen und weitere Schussabgaben (bei voller Sicht des angeschweißten Büffels im lichten Mopanewald) rechtfertigen.
Aber in den allermeisten Fällen muss man bei Sichtverlust sofort stoppen und sich zurückziehen. Aus eigener Erfahrung (einer meiner besten Freunde und sein Gast sind getötet worden) kann ich sagen, dass es zu den meisten Unfällen durch Fehlverhalten gekommen ist. Angeschweißte Büffel gehen, abgesehen von dichtem Gestrüpp, mit Vorliebe in der Nähe eines Termitenhügels ins Wundbett. Also immer erhöhte Vorsicht, wenn sich die Schweißfährte einem Termitenhügel nähert.
Und insbesondere wenn man die Schweißfährte verliert, gilt die Alarmstufe Rot. Das Team muss in einer solchen Situation zusammenbleiben, darf sich nicht in alle Richtungen zerstreuen. Der Jagdgast sollte nicht versuchen mitzuhelfen, die Fährte wiederzufinden, sondern sich nur noch auf die Hacken seines PH konzentrieren.
Glauben Sie mir (und legen Sie es mir bitte nicht als Arroganz oder dramatische Klugscheißerei aus), aber ich habe in all den Jahren kaum einen Gast gehabt, der in der Lage ist, allein einen Büffelangriff zu stoppen.

 

It’s the dead one that kills you

Ein Büffel ist erst tot, wenn er aufgebrochen und aufgeladen ist. So lautet eine alte Weisheit, auch wenn ich sie mittlerweile anzweifle, denn mir ist einmal bei der Messe in Dortmund eine Büffeltrophäe von der Wand und auf meinen Rücken gefallen, hätte mich also fast erschlagen. Die späte Rache des Büffels …
Aber Spaß beiseite.
Auch wenn der Büffel liegt, muss erst vorsichtig und zweifelsfrei festgestellt sein, dass er tatsächlich verendet ist. Auch wenn der Bulle den death bellow (den sogenannten Todesschrei) abgegeben hat, sollte man noch einen Schuss in das Rückgrat zwischen den Schulterblättern abgeben und dann in sicherer Entfernung 15 Minuten abwarten.
Lieber ein Loch zu viel in der Decke des Büffels als eines in der eigenen. Zum Todesschrei des Büffels noch eine Bemerkung: Nicht alle Bullen stoßen dieses Gebrüll beim Sterben aus. Der Grund hierfür ist noch nicht zweifelsfrei erwiesen.

 

 

Die Rolle des Back-up-Schusses

Eine Besprechung der Büffeljagdpraxis wäre nicht komplett ohne die Diskussion des Themas Nachschuss durch den Berufsjäger. Natürlich ist es ein kontroverses Thema, bei dem sich die Geister scheiden. Eine Seite vertritt die Meinung, dass jeder Gast seinen Bullen alleine töten soll.
Aber das bedeutet dann auch, dass mancher Büffel angeschweißt und nicht gefunden wird. Der Gast geht als Schneider heim und hat trotzdem voll bezahlt. Dies beinhaltet zudem, dass es zu mehr gefährlichen Nachsuchen kommt.
Dann gibt es die Fraktion, die den Nachschuss auf den Büffel prinzipiell verlangt. Die Jagd ist schließlich teuer, das Gefahrenpotenzial wird verringert, die Sicherheit somit erhöht, der Gast wird (vermeintlich) sicher zu seiner Trophäe kommen. Also alles zum Vorteil des Gastes? Eine dritte Fraktion von Berufsjägern schießt nur dann nach, wenn sie hören oder sehen, dass der erste Schuss nicht optimal war. Meine Einstellung zum Thema ist amorph. Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß und ebenso verhält es sich mit dem Back-up- Schuss.
Erstens glaube ich an die goldene Regel, dass der erste Schuss zählt. Also muss ich meinen Job gut machen und dafür sorgen, dass der Gast die optimale Möglichkeit eines sicheren Schusses bekommt. Meine Verantwortung!
Zweitens glaube ich nicht, dass ein Back-up-Schuss eine Garantie ist. Darauf sollte auch der Gast nicht zählen, er darf nicht diese trügerische Sicherheit im Hinterkopf haben und unter Umständen ein höheres Risiko beim ersten Schuss eingehen. Ein fahrig hingeworfener erster Schuss? Seine Verantwortung!
Zusätzlich sollte die Schwierigkeit des Back-up-Schusses logisch eingeordnet werden. Viele Faktoren beeinflussen ihn: das Terrain (dicht oder offen), die Entfernung (nah oder fern), andere Büffel, die beim Wegbrechen den Nachschuss verhindern. Viele Unwägbarkeiten, die aber so oder so egal sind.
Solange der erste Schuss die Glocke (!) richtig zum Läuten gebracht hat, wird der Büffel sterben. Drittens muss ein guter PH einschätzen können, wie sein Gast beschaffen ist. Wie sind dessen Schießfertigkeiten einzuschätzen?
Der Berufsjäger ist in den meisten Ländern Afrikas gesetzlich dazu verpflichtet, das angeschweißte Stück so schnell wie möglich zu töten. Jeder Gast muss ausführlich beraten werden. Über den ersten Schuss, den Nachschuss und alles andere. Meine Gäste wissen, ob ich ihnen den ersten Schuss blind zutraue oder nicht. In den meisten Fällen bestimmt die Situation mein Verhalten. Aber darüber wissen die Gäste immer Bescheid. Die gleichen Regeln gelten für die Nachsuche.

 

Büffelfährte, Trittsiegel Kaffernbüffel

Büffel brauchen Wasser. Dort findet man Pirschzeichen wie Dung und frische Trittsiegel. Die Pirsch kann beginnen.

 

Wie wähle ich PH und Jagdgebiet?

1.: Eine sorgfältige Recherche über den Berufsjäger, die Größe des Büffelbestandes (vor allem, was die Anzahl reifer Bullen angeht), das Jagdgebiet und das Camp, die Art des Terrains (von sumpfig bis trocken) und die Art der Jagd sind wichtig, um sich ein Bild machen zu können.

2.: Die ganze Preispalette sollte verglichen werden. Meiden Sie Billigangebote. Billige Büffel gibt es nicht. Gäbe es sie, wären sie in Händen renommierter Outfitter und nicht in denen unbekannter. Informieren Sie sich über den vollen Preis einer Jagd. Steht im Angebot „ab so und so viel …“ sollte man nachfragen, was dazukommt. Dann erst hat man den endgültigen Preis.

3.: Letzten Endes entscheiden Sie, ob sie mit Maßband jagen wollen oder ob das Erlebnis, Alter und Reife des Stückes vorausgesetzt, im Vordergrund stehen soll.

4.: Holen Sie mündliche Referenzen ein, gehen Sie den zugänglichen Informationen nach.

5.: Informieren Sie sich ausführlich über alle sicherheitsrelevanten Themen: Welche Krankheiten gibt es im Jagdgebiet, wie beuge ich vor? Gibt es einen medizinischen Notdienst? Mit welchem Wetter ist zu rechnen, wie sieht das im Jahresverlauf aus? Daraus folgt auch, wie das Jagdgebiet in den verschiedenen Monaten aussieht (Gras hoch oder nicht?).

 

Je mehr Informationen zusammengetragen werden können, desto besser. Und dann steht da am Ende natürlich noch der Preis der Jagd. Er sollte meines Erachtens nie der ausschlaggebende Faktor sein. Billig gekauft ist oft teuer bezahlt. Sparen Sie lieber länger, wenn es die Reise Ihres Lebens werden soll.
Buchungspraxis: Viele sehr gute Outfits sind auf ein oder zwei Jahre im Voraus ausgebucht. Meist gilt die Regel, dass eine Anzahlung in Höhe von 50 Prozent der Tagessätze zur Bestätigung notwendig ist. Die Restzahlung findet 60 Tage vor Reiseantritt statt. Abschussentgelte, Hotelübernachtungen vor und nach der Jagd, Charterflug oder Autotransfer sowie Trinkgelder müssen meist bar vor Ort bezahlt werden. Zum Thema Trinkgeld könnte man ein eigenes langes Kapitel schreiben.

Meine Meinung dazu: Outfitter sollten ihre Jäger und die restliche Mannschaft ordentlich entlohnen, sodass niemand auf ein Trinkgeld angewiesen ist.

Es sollte jedem Gast überlassen werden, wie viel er zu geben bereit ist. Sprechen Sie dies vor der Reise mit dem Veranstalter und/ oder dem PH durch, dann gibt es am Ende kein böses Erwachen. Ein letzter Tipp noch: Schließen Sie nicht nur eine Reiserücktrittsversicherung ab, sondern auch eine Reiseabbruchversicherung.

Erstgenannte gilt nur für die Stornierung vor Jagdbeginn und nicht für den Fall, dass die Jagd, aus welchem Grund auch immer, abgebrochen werden muss.

 

Zu guter Letzt

Wer mehr zum Thema Büffeljagd wissen möchte, dem sei noch eines der besten Bücher zum Thema, das je geschrieben worden ist, empfohlen:
Guide to Nyati. The art of hunting the African Buffalo. Herausgeber: African Outfitter.

Mein Resümee lautet: Setzen Sie Vertrauen in Ihren Berufsjäger, voll und ganz. Nur so kann ein Lagerfeuer kameradschaftlich geteilt werden und die Großwildjagd zum echten Erlebnis werden.

Gegen Ende dieser Ausführungen bleibt mir zu sagen, dass ich hoffe, einige Denkanstöße gegeben zu haben. Diese sind nicht absolut und auch nicht die einzige Wahrheit, zu komplex ist das Thema, zu umfangreich. Es ist einzig und allein meine eigene, subjektive Wahrheit.

Text: Ronald William Rowland
Fotos: Michael Viljoen, Jan Harbort, Felix Marnewecke, Douw Kruger

Jagdzeit AG

Jagdzeit International Das Buchjournal mit den schönsten Seiten der Jagd www.jagdzeit.com

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