Jagd

Gamsjagd auf Französisch

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Es geht wohl jedem Jäger so, dass er eine Vorliebe für ein bestimmtes Wild und eine Wildart hat. Gämsen und die strapaziöse Bergjagd haben es dem Autor gleichermaßen angetan. Also keine lange Vorrede, auf zur Jagd, auf in die französischen Alpen!

Lange Tage am Schreibtisch bestimmen meinen Alltag, doch auch wenn es dabei fast ausschließlich um die Jagd geht, freue ich mich über jede freie Stunde, in der ich hinaus kann zum wirklichen Jagen. Was bei meinem an sich schönen Job nur zu sehr auf der Strecke bleibt, ist die Freude an der stillen Ansitzjagd. Wenn es hinaus in Feld und Wald geht, dann muss auch etwas passieren, dann kann ich nicht wieder nur still sitzen, dann will ich aktiv sein und aktiv jagen. Es fällt nun sicher leicht sich vorzustellen, wie groß meine Freude ist, wenn zwischen all den Manuskripten und Meldungen eine Einladung zur Gamsjagd auf meinen Schreibtisch flattert. Von allen europäischen Büchsenjagden sind es vor allem die Jagden in den schottischen Highlands und die Gamsjagd in den schroffen Felsenrevieren der Alpen, die mein Jägerherz höher schlagen lassen.

So versteht es sich von selbst, dass ich alle Hebel in Bewegung setze, um eine Jagdgelegenheit auf das spannende Krickelwild wahrzunehmen, auch wenn diese Jagden meistens in genau die Monate fallen, die meine Abwesenheit in der Firma eigentlich nicht erlauben. Zum Glück habe ich mittlerweile einige recht gut eingespielte Mitarbeiter in Melsungen, deren gut gemeinte Sticheleien ich gerne in Kauf nehme, wenn ich für eine Gamsjagd mal wieder hektisch meine Jagdutensilien zusammenraffe und alle anderen Termine absage. Jetzt aber zu der Jagd, von der ich hier erzählen will. Es flatterte also recht kurzfristig eine Einladung zur Gamsjagd in den französischen Alpen ins Haus. Anfang November beginnt bei uns das Weihnachtsgeschäft, aber irgendwie hat es doch geklappt die paar Tage freizuschaufeln …

 

Die Reise beginnt

Also hinein in den Flieger nach Genf, wo ich schon von der Leica-Crew und ein paar Journalistenkollegen erwartet wurde. Von dort ging es bald auf kurvenreicher Strecke durch die malerische Kulisse der französischen Voralpen nach Jarsy, einem unscheinbaren kleinen Dorf, das für die nächsten Tage unsere Basisstation werden sollte. Dann, ganz französisch: Essen. Gang auf Gang mit allem, was dazugehört. Zählt man Käse, Nachspeisen und Kaffee dazu, kamen wir auf ein Sieben-Gänge-Menü, das sich über drei Stunden hinzog.

Die Jagdgesellschaft passte von Anfang an perfekt. Kollegen aus der Schweiz, von Jagen Weltweit und unser Waffenkundiger Roland Zeitler waren mit Michael Agel und Cyril Thomas von Leica eine bunte, umso unterhaltsamere Truppe.

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Die Gams und ich

Wir liegen bereits im Schatten und da uns der Wind schräg von vorne ins Gesicht bläst, kommen wir schnell und vor allem unbemerkt voran. Mein Bartgams posiert inzwischen majestätisch auf einem Felsblock. Gut 100 Meter bringen wir hinter uns, dann können wir nicht weiter, denn jeder weitere Vormarsch wäre nur über eine freie Fläche möglich. Aber 200 Meter sind im Gebirge eine gute Entfernung und so richte ich mich für den Schuss ein.

Mein Rucksack dient als Auflage, ich atme durch, liege entspannt und lasse das Absehen auf die Kammer wandern. Schnell verhallt der Schussknall des kleinen Kalibers und läuft an den weitläufigen Berghängen aus. Ich lade nach, denn mein Gams hat zwar leicht gezeichnet, doch dann ist er wie gesund in einer Mulde verschwunden. Ich habe zu lange gezögert und im Moment der Schussabgabe auch gesehen, dass er einen Schritt nach vorne gemacht hat. Es ist, als ob die Dämmerung auf einmal mit aller Macht versucht das Licht schneller zu verschlingen.

Mit klopfendem Herzen suche ich die Fläche vor mir ab, liegt er vielleicht doch? Die restlichen Gams ziehen zielstrebig von uns weg Richtung Gipfel und es wird immer dunkler. „Verdammter Leichtsinn so spät noch zu schießen“, fange ich an mit mir zu hadern, doch da kommt mein Gams in zügigen Sprüngen wieder ins Sichtfeld und versucht zu den anderen aufzuschließen. Das Adrenalin schießt mir in die Adern, alle Sinne sind wach und gespannt. Mein Bock zieht breit, aber stetig, ich habe ihn fest im Absehen, aber auf diese Entfernung auf ein gesundes, ziehendes Stück fliegen zu lassen, das muss jetzt nicht auch noch sein – da plötzlich stockt sein Schritt, er verhofft und dreht sich spitz in meine Richtung, dann ein kraftvoller Satz und er steht auf einem großen Felsblock.

Wieder majestätisch und wieder breit verhofft er, als er meinen Schuss mit zwei, drei überstürzten Fluchten quittiert, um dann hangabwärts in unsere Richtung zu stürzen. Keine 50 Meter vor uns bleibt meine Beute verendet liegen. Die Spannung weicht einem warmen Gefühl der Freude und dankbar nehme ich den ersehnten Gams in Besitz. Was für eine Jagd!

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Das Gebiet

Das La Réserve Nationale des Bauges liegt mit seinem 5400 Hektar Fläche südlich von Annecy und westlich von Albertville. Die Region wird durch eine eigene Forstbehörde betreut und bietet eine reichhaltige Flora und Fauna. Kulinarisch bekannt ist der Käse der Region. Da touristisch nicht allzu erschlossen, kann hier Natur und Jagd noch relativ ungestört genossen werden. Die Forstbehörde legt Wert auf die umfassende Information der Besucher und gibt neben Kartenmaterial umfangreiches Infomaterial zu geschützten Pflanzen, Einständen und für Jäger hilfreiche Broschüren zum richtigen Ansprechen heraus. Alle erlegten Stücke werden sorgfältig wissenschaftlich vermessen. Die Zahl des erlegten Gamswildes liegt kontinuierlich bei mehr als 150 Stück/ Jahr, die Jagd ist allerdings im Verhältnis zu Österreich oder Slowenien relativ teuer.

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Wer sich für Jagd oder Tourismus interessiert, kann sich direkt an das Forstamt wenden:

Massif des Bauges
Maison du Parc
73630 Le Châtelard
T. +39 4 79 54 8640
W. www.parcdesbauges.com

 

Fotos: Heiko Schwartz, Michael Agel, Sven-Erik Arndt

Jagdzeit AG

Jagdzeit International Das Buchjournal mit den schönsten Seiten der Jagd www.jagdzeit.com

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