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Die Kunst der modernen Bogenjagd

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Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass alle Schutzpatrone der Jagd und Jagdgötter Pfeil und Bogen tragen? Es gibt einen guten Grund dafür. Die moderne Bogenjagd vereinigt wirkliche Tradition mit modernen Technologien für die Jagd.

Viele Jäger verbinden den Gedanken an Bogenjagd unweigerlich mit einem archaischen Bild von Angehörigen primitiver Kulturen, die mit nicht mehr als einem Lendenschurz bekleidet durch den Busch laufen und einen Stock mit einer Sehne tragen. Oder Visionen aus Hollywood Cowboyfilmen mit in Leder gekleideten amerikanischen Ureinwohnern, die durch die Schatten der Wüste pirschen. Vielleicht haben Sie selbst Kindheitserinnerungen vom selbstgebauten Pfeil und Bogen und die damit verbundenen ersten zaghaften „Jagdversuche“. Alle diese Bilder habe ihre Berechtigung. Es gibt immer noch Angehörige der San in der Kalahari, die Wild mit Pfeil und Bogen jagen. Es gibt immer noch Indianer, die in der Wüste und anderen Gegenden mit dem Bogen jagen. Und Kinder bauen immer noch überall auf der Welt ihre Bögen.

Vieles von unserer modernen Bogenjagd-Technik ähnelt immer noch stark der alten Form. Doch der moderne Bogenjäger ist gut trainiert, verwendet fortschrittlichere Ausrüstung und wird von Jagdgesetzen reguliert, die die Wildbiologie berücksichtigen. Moderne Bogenjagd entstammt primitiven Wurzeln und verbindet diese mit moderner Technologie, um eine sehr bedeutungsvolle und ethische Form der Jagd zu schaffen. Aus rechtlicher Sicht ist die Bogenjagd in den meisten Teilen der Welt eine übliche und akzeptierte Jagdart, in ganz Nordamerika, großen Teilen Südamerikas, großen Teilen Afrikas, ganz Australien und vielen Ländern Europas. Und, aus praktischer und philosophischer Sicht noch bedeutender, die Bogenjagd stellt eine Jagdart dar, bei der die Kunst des Jagens im Vordergrund steht und alle anderen Aspekte an Bedeutung übertrifft. Lassen Sie mich erklären.

 

Die Herausforderung

Die Antwort liegt in akribischer Vorbereitung und Aufklärung. Ein Bogenjäger muss die ideale Position für seinen Ansitz sehr genau ermitteln. Das bedeutet, anstatt sich auf Stellen mit der besten Sicht zu konzentrieren, muss der Bogenjäger Geländepunkte finden, an denen das Wild überrascht werden kann. Dies kann ein Wechsel zu einer Äsungsfläche oder einem Einstand sein oder der Sattel eines Hügelkamms, der Wechsel durch einen einzigen Punkt kanalisiert. Ein Bogenjäger wird sich vielleicht über einer bestimmten Äsungsstelle oder gleich neben einer Schöpfstelle ansetzen. Die Möglichkeiten sind endlos. Der Punkt ist, dass die Bogenjagd dem Jäger abverlangt, das Gelände zu lesen und zu lernen, wie das Wild sich darin bewegt.

Ein guter Bogenjäger sollte in der Lage sein, die von seinem Wild hinterlassenen Zeichen zu interpretieren und festzustellen, wo und wann er an einer bestimmten Stelle sein muss, um das Wild abzupassen. Das Lesen von Pirschzeichen entwickelt sich zu einer Kunstform und ist der bedeutendste Aspekt der Jagd. In der Tat stellt die Interpretation von Pirschzeichen, Fährten und des Geländes die tatsächliche Jagd dar! Für die Bogenjagd hängt der Erfolg maßgeblich von der präzisen Erkundung des Gebietes ab. Der Gewehrjäger tut das Gleiche, allerdings in geringerem Maße.

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Zeit – eine Entschleunigung

Ein weiteres Element der Bogenjagd, das sie zu einem wunderbaren modernen Anachronismus macht, ist das Element Zeit. Da seine jagdliche Reichweite eingeschränkt ist, muss der Bogenjäger sich so positionieren, dass er das Wild exakt abpasst. Wann wird das Stück an genau diesem Punkt sein? Dies ist die entscheidende Frage. Es gibt keine Möglichkeit, diese natürlichen Bewegungen des Wildes zu beeinflussen. Manchmal bedeutet es einfach, dass man viel mehr Zeit aufwenden muss, als ein Gewehrjäger bräuchte. Manchmal heißt es aber auch, dass das Jagen in einer bestimmten Region einfach keinen Sinn macht und man auf bessere Grundvoraussetzungen warten muss.

Der Anachronismus der Bogenjagd ist die Notwendigkeit, die Jagdzeit auf die Zeit des Wildes anzupassen. Der Versuch, sein Glück ohne eigenen Zeiteinsatz durch ausgedehnte Revierfahrten oder lange Distanzschüsse erzwingen zu wollen, erweist sich als kontraproduktiv. Die Schönheit der Bogenjagd macht auch die Tatsache aus, dass man sich dafür tatsächlich Zeit nehmen muss.

 

Wenn der Pfeil von der Sehne schnellt …

Wie bei allen Formen der Jagd, bildet das Erlegen des Wildes auch bei der Bogenjagd den Höhepunkt. Die Vorbereitung hierzu und das Anpirschen dauern lange und sind häufig schwierig. Sogar die besten Bogenjäger haben eine Erfolgsquote, die bei weniger als zehn Prozent liegt. Die Einschränkung bei der Jagd mit Pfeil und Bogen führt dazu, dass ein Erfolgserlebnis noch bedeutungsvoller, und der Respekt fürs Wild noch größer wird. Die Passion wird verstärkt durch Wunsch – und manchmal auch Schmerz. Durch Praxis und Geduld fliegt der Pfeil fast instinktiv. Ein Pfeil ist ausreichend.

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Fotos: Scentlok, Chris Eberhard, Jan Leuchtenberger

Jagdzeit AG

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