Jagd

Bezoar-Steinbock- Jagd- im Taurus-Gebirge in der Türkei

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Tagebuch einer Jagd. Er ist der Traum vieler Jäger – der Steinbock. Den Bezoar bezeichnet man als Vater der Steinböcke, gerader deshalb ist bei Jägern so begehrt.

Endlich! Jahrelang haben wir nur darüber gesprochen und die Geschichten gelesen. Jetzt geht es für mich und meinen Jagdfreund und Kameramann Franzo auf den Bezoar Steinbock. Über Wien und Istanbul fliegen wir nach Konya. Waffenübernahme und – kontrollen sind beim Check-in dank des Jagdveranstalters kein Problem. Nach zwei Stunden Autofahrt erreichen wir unser Quartier in der Nähe von Adana, auf einer Anhöhe der kleinen Stadt Pozanti.

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Tag 1

Nach der anstrengenden Reise ist um 4.30 Uhr Tagwache. Ein kurzes Frühstück, dann treffen wir das Team mitten im Dorf. Mit Chef Murat, PH Mustafa, Guide Ruhi, Übersetzer Kürsad und Wald/Wild-Polizist Gazi geht es zur Permit-Abgabe auf die Polizeistation. Der Testschuss am Fuß des Berges zeigt: Meine Steyr Mannlicher SM12 mit dem Zielfernrohr Kahles Helia 3-12×50 mit Ballistikturm passt. Wir queren mit unseren beiden Pickups einen Fluss und kämpfen uns auf schmalen Pfaden höher auf einer immer felsiger werdenden Sandstraße zu einem Plateau. Hier, mitten im Taurusgebirge, im Revier Belemedik, soll laut Murat ein sehr guter Steinbock bestätigt sein. Wir sind seit Stunden zu Fuß in diesem felsigen Gebiet mit vielen Bäumen unterwegs und glasen die Hänge nach Steinböcken ab.

Schließlich teilen wir uns auf. Zusammen mit Mustafa und Kürsad pirsche ich in den gegenüberliegenden Hang, wo am Tag zuvor die Steinböcke gesehen wurden. Ich bringe mich mit Schussdistanz ab 150 Meter in eine gute Position. Franzo baut derweil seine Kameras und Stative auf – jetzt muss nur noch der Steinbock kommen. Eine Stunde später kullern Steine den Berg hinunter, was unseren Puls in die Höhe schnellen lässt. Doch Fehlanzeige. Eine Rotte von 14 Sauen zieht den Pass hinauf, auch ein Keiler quert, doch von einem Steinbock keine Spur. Unverrichteter Dinge machen wir uns auf den Rückweg.

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Tag 2

Am nächsten Morgen wollen wir bei Tagesanbruch im Revier sein. Wir stoppen am Fuß des Berges und gehen von dort über die Felsen bergauf. Nach knapp vier Stunden werden wir am Gipfel mit einem unbeschreiblichen Ausblick belohnt. Es dauert nicht lange, bis Ruhi und Mustafa die ersten Steinböcke ausfindig machen. Ein großartiges Gefühl, zum ersten Mal den Bezoar leibhaftig im Glas zu haben. Leider ist der bestätigte Steinbock nicht dabei. Wir sind bereits auf dem Rückweg als Ruhi plötzlich zum Spektiv greift und mir mit einem breiten Grinsen zuruft: „Look, he is there!“ Ich kann den Steinbock sehen.

Die Decke ist relativ hell, um nicht zu sagen weiß, langer Bart und eine kapitale Trophäe. Er befindet sich im Gegenhang auf 918 Meter! Über die Felsen versuchen wir in Schussdistanz zu kommen, doch es gelingt uns nicht. Wir ziehen uns für den Abend zurück und wollen unser Glück am folgenden Tag versuchen.

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Tag 3

Die Nacht ist kurz. Trotzdem wollen wir auch an diesem Morgen frühzeitig zum Gipfel. Wir kletterten über Steilwände, pirschen an der Schneide des Gebirges entlang. Das Gelände ist extrem steil und für einen guten Schuss sehr schwierig. Wir haben in der Ferne Böcke ausgemacht, die wir näher ansprechen wollten, doch die vier Steinböcke stellen sich als zu jung heraus und der gesuchte Pascha ist nicht dabei. Wir entscheiden, in den Talkessel abzusteigen.

Unten angekommen, richten wir uns ein, als plötzlich wieder Steine den Hang herunterfallen. Gleich darauf Steinböcke. Ein Rudel auf 120 Meter, das von rechts nach links wechselt. Sie haben uns nicht im Wind. Wir sind perfekt vorbereitet, nur unser Pascha ist wieder nicht dabei! Enttäuscht treten wir den Rückweg an. Auf der Fahrt zurück ins Quartier entschieden wir uns für einen Wechsel in ein anderes Revier mit einem ebenfalls bestätigten Steinbock.

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Tag 4

In aller Frühe brechen wir von Pozanti nach Adiyaman auf. Nach einer 6-stündigen Fahrt holen wir unseren Mann vom „Forest government“ (Wald- und Wildschutz-Polizei) ab und fahren direkt ins Revier. Dort angekommen, wartet schon der Guide Schüglü auf uns. Er kennt das Revier wie seine Westentasche. Den bestätigten Steinbock hat er an diesem Tag schon gesehen. Über Felsen rauf und runter, mit kurzen Stopps, um durchs Fernglas zu schauen, pirschen und klettern wir dahin.

Und siehe da, vor uns auf 420 Meter, steht ein Rudel mit ca. dreißig Stück. Unser Berufsjäger Mustafa braucht nicht lange, um den starken Bock auszumachen. Er spricht ihn genau an, erst dann sagt er: „It’s a good one, look!“ Auf 398 Meter steht er – dass er kapital ist, können wir alle sehen. Trotzdem will Mustafa noch weiter schauen. Am Abend geht es unverrichteter Dinge zurück ins Hotel.

 

Tag 5

Frühmorgens fahren wir in das Revier bei Kuyucak. Nach kurzem Fußmarsch erblicken wir am Bergkamm einen Steinbock in voller Pracht, der auf uns herab äugt. Mustafa nickt nur und wir gehen weiter. Der Steinbock schaut uns eine Weile zu, bevor er mit einem Satz hinter dem Berg verschwindet. Wir finden gleich darauf einen geeigneten Platz, von wo aus wir einen guten Überblick haben. Das geschulte Auge von Mustafa braucht nicht lange, um Steinböcke zu entdecken. Unser Pascha ist aber auch hier nicht dabei. Wir pirschen weiter inmitten der westlichen Ausläufer des Taurusgebirges. Plötzlich gibt uns Mustafa Handzeichen.

Franzo bringt die Kamera in Position, mir bedeutete Mustafa mit der Büchse zu folgen. Als ich mich in Schussposition bringe, stockt mir kurzfristig der Atem. Keine 150 Meter entfernt steht der Steinbock. Mit leiser und sehr ruhiger Stimme sagt Mustafa: „He is good, shoot“. Ich habe überhaupt keine Zeit mir irgendwelche Gedanken zu machen. Doch im nächsten Moment springt der Bock ab, Mustafa imitiert sofort den Ruf einer Steingeiß, der Bezoar verhofft und ich lasse fliegen. Tödlich getroffen, macht der Steinbock einen letzten Satz, bevor er nach zehn Metern in der Felswand liegen bleibt.

Überglücklich umarmen wir uns und ich gebe lautstark einen Juchzer von mir. Mustafa ist ein Pirschführer mit Herz und Verstand, wie man ihn sich nur wünschen kann und dies ist bereits sein 268ster Bezoar! Um den Steinbock zu bergen, bekommen wir Hilfe von zwei Personen aus dem Dorf. Auf Stangen aufgebunden tragen wir den Bezoar zu viert aus der Felswand. Am Abend kommen wir überglücklich im Hotel an und lassen das ganze Erlebnis erst einmal setzen.

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Tag 6

Das ausgiebige Frühstück erleichtert uns den Gedanken an die bevorstehende achtstündige Autofahrt nach Konya. Wir haben zwei unterschiedliche Reviere gesehen, großartige Anblicke erlebt und einen hervorragenden Bezoar Steinbock erlegt. Das gesamte Paket – vom Service am Flughafen über die bestätigten Bezoar Steinböcke vor Ort bis Organisation bei der Jagd und natürlich die Jagd selbst – war hervorragend.

 

 

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Bericht: Bernhard Hluszik
Foto: Franzo

Bernhard Hluszik

Naturbegeisterter und leidenschaftlicher Jäger. War in vielen verschiedenen Ländern und Destinationen unterwegs. Schreibt Artikel, setzt sich für die Jagd ein, SCI Central Austria Chapter Präsident und Inhaber der WH Jagd Outdoor Mode GmbH.

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